Frauen in MINT – Julia Nitsch

Die Zahl der Frauen in den MINT Berufen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) ist nach wie vor sehr gering. Laut einer Studie von Statista gab es im Jahr 2019/2020 an deutschen Hochschulen fast 200.000 Studienanfänger in dem Bereich, von denen gerade mal 30% weiblich waren [1]. In diesem Artikel wird einer der Gründe für dieses vielschichtige Problem näher beleuchtet. Zudem wird Julia Nitsch vorgestellt. Sie ist Algorithmen-Entwicklerin bei Ibeo und ein Paradebeispiel für weibliche Kompetenz in den MINT Fächern vor.

Mit einem Blick auf die Listen der großen naturwissenschaftlichen Genies springt einem ein Detail ins Auge: Sie wird von Männern dominiert. Häufig ist noch Marie Curie auf der Liste zu finden, aber darüber hinaus erfährt die Arbeit der Frauen in den MINT Fächern wenig Wertschätzung. Die Gründe für das Fehlen weiblicher Ikonen liegen zum einen darin, dass diese Listen von männlichen Komitees zusammengestellt und zum anderen, dass Frauen über tausende von Jahren systematisch vom Wissenserwerb und der Partizipation an diesen Themen ausgeschlossen wurden. Trotz dieser Widrigkeiten gibt es viele großartige Beispiele für das Wirken von Wissenschaftlerinnen und ihren Beitrag für die Naturwissenschaften, Mathematik und Technologie.

Bereits in der Antike finden sich namhafte Persönlichkeiten wie Hypatia von Alexandria, die um 400 n.Chr. als angesehene Bürgerin Alexandrias Mathematik und Astronomie lehrte [2]. Ada Gräfin von Lovelace wurde eine Ikone der frühgeschichtlichen Informatik, indem sie 1843 eines der ersten Programme für die Berechnung von Bernoulli-Zahlen schrieb. Das Programm wurde für Charles Babbages Analytical Engine geschrieben, einem der ersten Allzweckrechner, der jedoch nie gebaut wurde und nur auf dem Papier existierte [3]. In der jüngsten Geschichte hat 2018 das erste Mal seit 55 Jahren eine Frau den Physik-Nobelpreis gewonnen. Donna Strickland hat als Laserforscherin eine Methode entwickelt, Licht in kurze, extrem energiereiche Impulse zu zerteilen, ohne dass die verwendeten Verstärkerzellen Schaden nehmen [4].

Es zeigt sich, dass die bedeutsamen Wissenschaftlerinnen zweifellos existieren, jedoch wurden ihre Erfolge und Beiträge oft verschwiegen. Genau hier liegt ein Problem, wie eine Studie von Microsoft belegt. Bei einer Befragung von Mädchen und jungen Frauen in ganz Europa, zeichnete sich ein klarer Zusammenhang zwischen Vorbildern und dem Interesse von Mädchen an MINT Fächern ab. Haben die Mädchen ein Vorbild in den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technologie, verdoppelt sich die Chance, dass sie sich für eine Karriere in diesem Bereich entscheiden. 46,1% der Befragten wünschen sich demnach mehr weibliche Idole in MINT Themen [6].
 

Donna Strickland, 2018 ©Bengt Nyman [5]. 

Um einen bescheidenen Beitrag zu mehr weiblichen Vorbildern in MINT Fächern zu leisten, wird im Folgenden Julia Nitsch vorgestellt. Frau Nitsch arbeitet seit 5 Jahren bei Ibeo und war eine der ersten Mitarbeitenden, die an der Objekterkennung auf Daten des Real-Solid-State-LiDAR-Sensor, dem ibeoNEXT, arbeiteten. Ihr Tätigkeitsfeld bei Ibeo umfasst zurzeit die Entwicklung von Machine Learning-Modellen für die Umfelderkennung von autonomen Fahrzeugen. Zudem tritt sie regelmäßig als Speakerin in Ibeos Webinar-Serie auf und hält dort Vorträge über Machine Learning-Algorithmen und die Zukunft des autonomen Fahrens.
 

  • Abseits der Arbeit engagiert sich Frau Nitsch in zwei Netzwerken für berufstätige Frauen in Führungspositionen, dem Nushu Netzwerk [7] und dem Panda Netzwerk [8]. Ziel dieser Netzwerke ist es, Frauen aus verschiedenen Berufsfeldern und Unternehmen zusammenzuführen, Kontakte zu knüpfen, sich gegenseitig zu unterstützen und gemeinsam Projekte auf den Weg zu bringen.
     
  • Weiterhin arbeitet sie ehrenamtlich bei der Hacker School, einem gemeinnützigen Projekt, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, Kinder an das Programmieren heranzuführen [9]. Frau Nitsch organsiert dort Machine Learning und Python-Kurse für die Schüler. Grundsätzlich dürfen Kinder aller Geschlechter an der Hackerschool teilnehmen. Einmal im Monat findet jedoch im speziellen die GIRLS Hacker School statt, die sich darauf fokussiert, insbesondere jungen Mädchen und Frauen die Informatik näher zu bringen [10].
     
  • Zuletzt hat Frau Nitsch ihre Doktorarbeit in Kooperation mit Ibeo und der ETH Zürich geschrieben.

 

Erfahren Sie im Folgenden mehr über Frau Nitsch, wie sie ihren Zugang zu den MINT Fächern gefunden hat, wie sie auf Ibeo aufmerksam wurde und was sie dazu inspiriert hat, jungen Menschen in der Hacker School zu helfen.

Julia Nitsch.

Was war für Sie einer der Hauptgründe einen Karriereweg in der Software-Entwicklung und künstlichen Intelligenz einzuschlagen?

Ich konnte in der Schule bei einigen RoboCupJunior Veranstaltungen teilnehmen und kam so sehr früh in Berührung mit autonomen Robotern und Programmiersprachen. Dieser Wettbewerb hat mich so fasziniert, dass ich unbedingt im Bereich der Robotik arbeiten wollte und so ergab sich eines nach dem anderen.

Wie sind Sie auf Ibeo aufmerksam geworden? Was hat Sie dazu bewogen, sich bei Ibeo zu bewerben?

Ich absolvierte gerade mein Masterstudium an der TU Graz (Österreich), als meine Universität eine SummerSchool zum Thema intelligente Fahrzeuge veranstaltet, an der Ulrich Lages (Anm. der Red.: CEO von Ibeo Automotive) eine Keynote Speech hielt. Dabei kam ich mit Herrn Lages ins Gespräch und lernte einiges über Ibeo. Eine Woche nach der SummerSchool saß ich im Flieger nach Hamburg zum Bewerbungsgespräch und ich bin bis heute im Hohen Norden geblieben.

Ihre Hauptaufgaben bei Ibeo liegen im Machine Learning. Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Ich glaube den typischen Arbeitsalltag gibt es einfach nicht. Das reicht vom Vorbereiten von Datensätzen, über das Training von Modellen bis hin zum Testen in unseren Fahrzeugen. Gerade bei der KI-Infrastruktur erarbeiten wir immer neue Konzepte, die wir möglichst schnell und in kleinen Schritten testen müssen. Da trifft dann Konzeptphase auf Koordinationsarbeit gepaart mit ein bisschen Ressourcenpoker.
 

Wovon handelt Ihre Doktorarbeit? Wie hat Ihnen die Zusammenarbeit mit Ibeo beim Schreiben der Doktorarbeit geholfen?

In meiner Doktorarbeit geht es um die zuverlässige Klassifikation von Verkehrsteilnehmern und Verkehrsinfrastruktur mit verschiedenen Sensortypen. Durch Ibeo konnte ich den Industriebezug herstellen, der hilft, die aktuellen Probleme in der Wirtschaft besser zu verstehen und die Transferleistung von wissenschaftlichen Ansätzen in die Praxis zu erleichtern.

Was hat Sie dazu inspiriert, ein Teil des Nushu Netzwerkes und des Panda Netzwerkes zu werden?

Als ich bei Ibeo anfing, arbeiteten nur ganz vereinzelt Frauen in der Systementwicklung (wenn ich mich richtig erinnere, waren wir sogar nur zweit). Deshalb war ich auf der Suche nach Möglichkeiten, um mich mit anderen berufstätigen Frauen austauschen zu können. Dabei bin ich über das Frauennetzwerk Nushu gestolpert, das zu der Zeit erst in Hamburg gegründet wurde. Aufgrund der Lage in Hamburg waren dort anfangs vor allem Frauen aus Marketing und Handelsbranchen Mitglieder. Da bin ich zufällig auf ein Panda Event für den Automotive-Bereich gestoßen und das hat mir so gut gefallen, dass ich dort auch Mitglied wurde.

Die bedeutsamen Leistungen weiblicher Expertinnen in den MINT Fächern wurden lang genug verschwiegen und zurückgehalten. Ibeo spricht sich für eine stärkere Wertschätzung der weiblichen Kompetenz aus. Frau Nitschs wertvolle Arbeit am ibeoNEXT-Sensor ist kein Einzelfall. Viele weitere weibliche Mitarbeitende bei Ibeo leisten Tag für Tag ihren Beitrag dazu, das autonome Fahren Wirklichkeit werden zu lassen.

[1] Rudnicka, J. (2020).  MINT Studienanfänger an deutschen Hochschulen bis 2019/2020. https://de.statista.com/statistik/daten/studie/28346/umfrage/anzahl-der-mint-studienanfaenger/.

[2] Lorenzen, D. (2018). Hypatia, die erste Astronomin. https://www.deutschlandfunk.de/unbekannte-forscherin-aus-dem-4-jahrhundert-hypatia-die.732.de.html?dram:article_id=430221.

[3] Eric Kim, E. & Alexandra Toole, B. (1999). Ada und der erste Computer. https://www.spektrum.de/magazin/portraet-ada-lovelace/825569.

[4] Gast, R. (2018). Physiker auf der Spur von >>Star Trek<<. https://www.spektrum.de/news/nobelpreis-in-physik-fuer-revolution-in-der-lasertechnik/1595276.

[5] Nyman, B. (2018). Donna Strickland EM1B5760. https://flickr.com/photos/97469566@N00/46183560632.

[6] Richter, I. (2018). Studienzahlen zeigen: Mädchen brauchen Vorbilder in MINT-Berufen. https://news.microsoft.com/de-de/mint-role-models/.

[7] Nushu Netzwerk. https://www.teamnushu.de/.

[8] Panda Netzwerk. https://we-are-panda.com/netzwerk/.

[9] Hacker School. https://hacker-school.de/.

[10] GIRLS Hacker School. https://hacker-school.de/projekte/girls-hacker-school/.    

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